Geschichte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dorfchronik 'Freyen Rachdorff'

 Freirachdorf im Mittelalter

 

1190 Entstehung und Namensdeutung

Im Jahre 1190, als Kaiser Friedrich I. Barbarossa auf dem 3. Kreuzzug ertrank und sodann der Hohenstaufe Heinrich VI. als deutscher König inthronisiert wurde, begegnet der Edelfreie Rorich von Rachdorf (gelegentliche Bezeichnung auch: Rechdorf) in einer Kölner Urkunde, und zwar des Grafen Dietrich von Wied (Quelle: MRUB -Mittelrheinisches Urkundenbuch -II Nr. 107; Köln R II Nr. 1365).

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts, insbesondere 1216, wird er auch erstmals Rorich Walpode genannt. Zumindest erhielt er als Edelfreier 1190 ein Walpodenamt von den Grafen zu Wied.

Die Amtsbezeichnung "Walpode" wird nachweislich in einer Urkunde aus 1138 erstmals erwähnt. So kennt ein Diplom Konrads III., des ersten Hohenstaufischen Königs, für Komberg (Wirtemberg. UB II 1) einen Walpoden als ein Amt unter dem Grafen ("ne comes aliquis, vel quisquam sub eo, qui vulgo Walpodo vocatur").

Es handelte sich um ein Amtslehen der Grafschaften vor allem des mittelrheinischen Raumes, da dem Walpoden außer Gerichtsfunktionen auch andere öffentliche Funktionen des Grafen anvertraut wurden (vgl. Schultze: Nass. Ann. XXXVIII 193). Unter einem Lehen wurden im Mittelalter (Lehnsverfassung in der fränkischen Kaiserzeit) Grund und Boden oder Rechte (Gerechtsame: Steuern, Zölle) verstanden, die der Lehnsherr (also der Graf) dem Lehnsmann (hier Rorich) zur Nutznießung übergab. Die Gegenleistung bestand im sog. Lehnsdienst, allen voran Hofdienst und Ab-gaben. Schwierigkeiten bereitet die Deutung der Herkunft des Ortsnamens.

Der Namenskern "Rachdorf" wird in geschichtlichen Angaben auch so erklärt: "zum Dorfe des Raco, Racho, Rack" oder auch "Racco". Dies deutet darauf hin, daß der Ort seine Bezeichnung von seinem Gründer, einem Rache, erhalten haben könnte. Der Verfasser eines Beitrages in der 1924 erschienenen Ausgabe "Schauinsland", der sich um eine Erklärung des Ortsnamens bemüht, führt aus, daß der Name "Racho" in der Zeit der Gründung vieler Dörfer bekannt sei. So wird besonders danach gefragt, warum dieser Rache drei Dörfer auf dem Westerwald gegründet hat. Denn es ist u. a. die Rede von einer späteren Aufgliederung Rachdorfs in die drei Siedlungen Freirachdorf, Marienrachdorf und Brückrachdorf (so Gensicke).

Dabei werden die -dorf-Orte, unter denen im Neuwieder Becken fränkische Friedhöfe bezeugt sind, in die fränkische Zeit eingeordnet. Weiter landeinwärts wären vornehmlich Dierdorf und eben Rachdorf zu nennen; denn fränkische Siedlungen entstanden vorzugsweise an günstigen Stellen, nämlich als Ortssiedlungen in guter geographischer und Verkehrslage unter Vermeidung größerer Höhenlagen und geschlossener Waldgebiete. Eine Abschrift der einschlägigen Urkunde anno 1190 ist im Rathaus (ehem. Schulgebäude) ausgestellt.

 

 

Im Hinblick auf die Namensdeutung für die drei Rachdörfer wird es als nicht unwahrscheinlich angesehen, daß Rachos Söhne bei der Gründung zweier weiterer Dörfer den Namen ihres Vaters fortpflanzten. Nicht glaubhaft erscheine dagegen die Auslegung, nach der Rachdorf etwa "Rauchdorf" bedeuten soll. Dies sei eher ein Wortspiel.

Eine weitere Deutung des Namens ist die als "Grafendorf". Im 18. Jahrhundert war dieser Name vielfach gebräuchlich. Ein Chronist nennt die drei Dörfer ausdrücklich Freigrafendorf, Markgrafendorf und Burggrafendorf, so als ob in jedem derselben ein Grafensitz gewesen sei, deren Inhaber ihre besonderen Berechtigungen, Freiheiten und Verpflichtungen gehabt hätten. Dies dürfte indes nicht wörtlich zu verstehen sein und doch diesem Namen etwas Berechtigtes anhaften. Im Mittelalter war der Freigraf jedoch Vorsitzender eines Volksgerichtes, das sich Femegericht nannte (veme = Strafe).

 Geht man zurück in die Geschichte der Verwaltung des fränkischen Reiches, so lässt sich dort ein wichtiger Anhaltspunkt finden. Unsere Heimat gehörte damals dem Engersgau an, an den im Norden der Auelgau grenzte. Die Gaue waren Verwaltungsbezirke, insbesondere Gerichtssprengel (Sprengel = Amtsbezirk, bes. eines Bischofs). Sie wurden geführt vom Gaugrafen und in Hundertschaften geteilt, an deren Spitze der Schultheiß (soviel wie Gemeindevorsteher, Bürgermeister) stand.

 Das alte Volksgericht, das germanische Ding, wie es auf den Malbergen stattfand, war geschwunden. Wie die Könige nicht mehr frei vom Volke gewählt waren, sondern ihre Würde als erblich betrachteten, die Gaugrafen als des Königs Beamte erschienen, so hatte das fränkische Gericht ein ganz anderes Gesicht bekommen. Nicht mehr die Gesamtheit des freien Volkes vereinigte sich zum Richtspruch, sondern neben dem Gaugrafen fällte eine bestimmte Zahl von Volksvertretern das Urteil.

Diese Volksvertreter, meist sieben bis zwölf an der Zahl, wurden anfangs zu jeder Gerichtstagung bestimmt, später für die Zeit ihres Lebens gewählt. Man nannte sie, die später Schöffen hießen, die Rachinburgen. Sie saßen neben dem Gaugrafen, welcher der oberste Richter war. Wenn sie auch nicht selbst Grafen waren, so lag es doch nahe, dass sie im Volke so genannt wurden und dass man ihre Wohnsitze, die Rachindörfer, auch mit Grafendörfern verwechselte, nicht nur des ähnlichen Klanges, sondern auch der ähnlichen Stellung ihrer Bewohner wegen.

Freirachdorf hat vermutlich seine Sonderbezeichnung von verschiedenen Freiheiten, die ihm in späteren Zeiten von Grafen und Herren zugebilligt wurden. Jene Freiheiten konnten sich sowohl auf Abgaben als auch auf Frondienste (früher: Frohnden) beziehen. Freilich erfährt die Namensdeutung in den Annalen noch andere Wendungen. Bereits im Vorgriff auf die weiter unten zitierten -unterschiedlichen- Schreibweisen sei hier gesagt, dass Freirachdorf sich zeitweise Frigenrachdorf benannte, wobei an die germanischen Göttinnen Frigga und Freia gedacht wurde.

Zurück zu Rorich von Rachdorf, der 1190 nach seinem Hof in Freirachdorf genannt wird und ab 1216 Walpode der Grafschaft Wied war. In Urkunden Kölner Erzbischöfe erscheinen Ludwig von Nister 1176 und danach wohl dessen Sohn Rorich von Nister 1183 bis vor 1190 und 1187 auch Rorichs Bruder Kraft. Erben und Nachkommen der Edelfreien (Adelige) von Nister waren einige edelfreie Familien, die als vornehmste Lehnsleute der Grafen seit 1215 häufig erscheinen und durchweg drei schräg rechtsgestellte Rauten im Schild führten. Es waren dies u.a. die Edelherren und die Walpoden von der Neuerburg bei Waldbreitbach. Als Stammvater wird Rorich von Rachdorf bzw. später Rorich Walpode genannt, den Gensicke mit dem Rorich von Nister gleichzusetzen glaubt. Mit diesen Edelfreien tritt 1222 auch Rorich von Gebhardshain auf, dessen Nachkommen später zum niederen Adel, der Ritterschaft, gehörten.

Gensicke (in: Burgen und Schlösser im Unterwesterwald) weist ferner darauf hin, dass bis ins vorige Jahrhundert der Flurname "Burggarten" die Erinnerung an einen Herrensitz zu Freirachdorf bewahrte, nach dem der Ahnherr der edelfreien Walpoden von der Neuerburg und Herren von Reichenstein sich 1190 Rorich von Rechdorf benannt habe. Nach den Nassauischen Annalen besaßen die Walpoden noch im Jahre 1420 einen Hof zu Freirachdorf und 1317 den benachbarten Hof Freiert (Vrienrode - wohl aus aus Roden von Wald abgeleitet). Sehr viel spricht deshalb dafür, dass sowohl das Dorf als auch jener Hof ihren Namen vom Ansitz jenes Edelfreien herleiten. (Vgl. auch die Schilderung unter dem Jahr 1771.)

Im Jahre 1300 wird der Ortsname Frigenrachdorf genannt, da seine Bauern frei von Abgaben gewesen sein sollen (dem allerdings in späteren Aufzeichnungen widersprochen wird). Im Gegensatz dazu soll Marienrachdorf einem Marienkloster oder einer Marienkirche gegenüber zinspflichtig gewesen sein. 1532 ist von Frienrachtorff die Rede, aber auch in Dokumenten von Freyen-Rachtorff oder Freyen-Rachdorff. Dazu gesellen sich noch weitere Versionen der Namensbezeichnung, worauf noch einzugehen sein wird.

Immerhin spricht die Tatsache der Erwähnung "Rachdorf" in einer Urkunde des Kölner Erzbischofs in 1190 dafür, dass der Ort Freirachdorf als solcher (um einiges) schon früher im Tal des Holzbachs etwa 270 m über dem Meeresspiegel angesiedelt war (in der Zeit vom 6. bis zum 11. Jahrhundert, also während der Zugehörigkeit unseres Heimatgebietes zum fränkischen Staatsverband, was jedoch nicht entsprechend dokumentiert ist. Es darf ferner davon ausgegangen werden, dass die damalige Ortsansiedlung im späteren Kirchdorf (als Ortsteil von Freirachdorf bezeichnet; im übrigen aber auch nach einer amtlichen Veröffentlichung: Überdarf) erfolgt ist. Es kann gewissermaßen vom eigentlichen Ortskern gesprochen werden.

Die weiteren Ereignisse im chronologischen Ablauf dieser Epoche

Wie bereits im vorangegangenen Abschnitt gesagt, gehörte unser Heimatgebiet bereits im frühen Mittelalter zum Engersgau, der mit einer kirchlichen Verwaltungseinheit zusammenfiel. Kirchlich war das Gebiet (nach Einführung des Christentums) dem Landkapitel oder Dekanat Engers unterstellt, das seinerseits dem Archidiakonat Dietkirchen (Lahn) und damit dem Erzbistum Trier zugehörte. Der Stammvater des Isenburger Geschlechts war Gerlach I. (966 -1008). Um 1093 wird Graf Metfried zu Wied genannt. 1112 wird erstmals ein Graf Heinrich von Sayn erwähnt. Diese drei Dynastengeschlechter, also das wiedische, saynische und isenburgische, sind für unser Gebiet von Bedeutung, darüber hinaus im Norden das Erzbistum Köln und im Süden das Erzbistum Trier. Ober die ältesten Besitzverhältnisse lässt sich allerdings wenig Genaues feststellen.

um 1200

In der Zeit um 1200 entstanden im Westerwald romanische Kirchen bzw. Kirchen mit romanischen Westtürmen - so auch in Marienrachdorf (Hinweis auf die Ausführungen von Kalb), zu dessen Pfarr-bezirk (Pfarrei Rachdorf) auch der Filialort Freirachdorf gehörte, ebenso wie Marienhausen, Trierisch-Hausen (heute Ortsteil von Maroth), Herschbach u. a. (Im Spätmittelalter wird sodann von Filialkapellen in Oberherschbach, Stadt-Herschbach und Freirachdorf gesprochen.)

Bereits zu dieser Zeit traten die Gaueingesessenen auf bestimmten Stätten zu einer Volksversammlung zusammen, um unter freiem Himmel die gemeinsamen Angelegenheiten zu beraten, Recht zu sprechen, aber auch um gottesdienstliche Handlungen vorzunehmen, ferner um Jahrmärkte abzuhalten. Innerhalb des Gaues vereinigten sich die urzeitliehen Marken (in Anbetracht des Christentums zu Kirchspielen umgestaltet) zu den sogenannten Vesten oder Hundertschaften, bestehend aus 100 freien Haushaltungen. In diesem Zusammenhang wird u. a. die Veste Dyrdorf (Dierdorf) genannt (Veste könnte gleichbedeutend sein mit Kuppel oder Anhöhe). Zur Veste Dierdorf gehörten die Kirchspiele Dierdorf und Freirachdorf. Die Kirchspiele als engere Gemeinschaften bestanden über lange Zeit fort. Alljährlich versammelten sich die Kirchspielseingesessenen drei- bis viermal zu dem sog. Marktgerichte.

1279

Der Edelmann Selentin Herr v. Isenburch vertauscht mit Gonsens (Zustimmung) seiner Gemahlin Agnes an das Kloster Romerstorph verschiedene Ländereien in der Pfarrei Heymbach gegen andere des Klosters daselbst. Zeugen Henrich v. Runkelle (Runkel) der Truchsess, Godefrid v. Rachdorph ehemals sein Truchsess, 1279 kal. sept. (Original -wohl der Urkunde -in Coblenz.)

1282

In einer Urkunde von 1282, die in einem Urkundenverzeichnis des 15. Jahrhunderts aufzufinden ist, ist der Text in lateinischer Sprache abgefasst, wobei allerdings der Name Freirechdorf fränkisch mitgeteilt ist: Vrienrachtorp. Auszugsweise liest sich der Originaltext wie folgt:

"Karissima, relicta quondam Gerlaci militis ... item 12 den. census, quos solvit Henricus de.. . de domo et horte ibidem sitis, item sex s. census et ml. caseorum et duos pullos, quos solvit Henricus de Vrienrachtorp de terra arabili ibidem sita, item dimidietatem redituum banerum in Engirshe, item bona in Seltirsche,... anno etc.

1300

In einer Urkunde aus dem Jahre 1300 ist (wiederum auszugsweise) der folgende (Original-)Text zu lesen:

"Aus der Chur-Trierischen Deduction sub rubro: Geschichts= und Actenmäßige Deduction in Sachen weyl. Herrn Philipsen Herzogen zu Arnberg... Klägern, und des hohen Ertz=Stiffts Trier als Intervenienten, contra weyl. Herrn Joachim Abten, modo Herrn Henricum Fürsten und Bisehoffen zu Fulda, sodann Herrn Grafen zu Wiedt=Runckel und Freyherr von Walderdorff. Lit. E. Constitutio vidualitii in Meyscheid de anno 1300.

Ich Salentin, Herr zu Isenburg, thue kundt allen Leuthen, die diesen Brief ansehen oder hören lesen, daß ich Catharinen meine eheliche Haußfrau gewidemet han, und wiedeme zu rechten Wiedeme mit allsolchem Guth, als hernach geschrieben stehet, zu dem ersten han ich gewidmet, und widme sie mit meinem Hauße Isenburg, daß da stehet zwischen des Grafen Hauß zu Weydte, und dem Hauß von Kauern mit allem dem Guth, Gefällen und Gerechten, das darzu gehöret, so wie das gefallig und genant ist, vormehr hab ich sie gewidemet zu rechten Wideme mit vierzig Malter Habern alle Jahr, der genant ist Foder=Habern, und ist fallig in dem Kirchspiel, zu Urbach gebe ich ihr zu rechten Wideme den Zehenden in demselben Dorf zu Urbach ... Vortmehr han ich sie gewidmet mit zwanzig Höner Gulden, die da fällig seynd zu Munderspach, und mit zwanzig Hönern, die da fällig seynd in dem Hofe zu Malren, und mit vierzig Hönern, die da fällig seynd zu Marienhußen, vortmehr gebe ich ihr zu rechten Wiedeme sechs und dreyßig Ganße=Gulden alle Jahr, der da zwölffe fallen von dem Zehenden zu Mundespach, und neun fallen von dem Zehendt zu Frigenrachdorff, und funfzehen die da fallen zu Marienhaußen. Datum Anno Domini 1300. "

Hierin ging es darum, dass Salentin, Herr von Isenburg, bewittumt (widmen, schenken) seine Gemahlin Catharina mit einem Haus zu Isenburg, zwischen des Grafen Haus und dem Hause von Kobern, mit Renten und Zehnten zu Urbach, Mündersbach, Marienhausen und Freirachdorf. (Quelle: Fischer, Geschlechtsregister, 2,163. )(Es bedeuten Höner = Hühner; Zehenden oder Zehnt = der Zehnte, eine Naturalabgabe des 10. Teils der Ernte an den Lehnsherren, aber auch an die Kirche.)

1323

Es wird die Hohe Veste (Feste, Festung) Urbach als zunächst das einzige Hochgericht der Grafschaft Wied "oberhalb der Alteck" bezeugt, wozu die Kirchspiele Anhausen, Dierdorf,Urbach, Raubach, Puderbach, Niederwambach, Oberdreis, Freirachdorf "auf der Hauserbach", Rückeroth, Dreifelden, Nordhofen, der Bann Selters-Maxsain und (bis 1488) auch u. a. die Kirchspiele Roßbach und Höchstenbach gehörten.

1340 ff.

 Das Kirchspiel Freirachdorf wird bereits in den 1340er Jahren aus dem Hochgerichtsbezirk Urbach herausgenommen und in der Hohen Feste Rückeroth vereinigt.

Über die Tätigkeit der Hohen Festen unterrichten zahlreich überlieferte Weistümer (= Aufzeichnungen alter Rechtsbräuche). Hier besaßen die Walpoden (Inhaber von Amtslehen; in der Heimatchronik Neuwied auch als "Gewaltboten" interpretiert) von der Neuerburg, nachmals Herren von Reichenstein, vom 12. bis ins 16. Jahrhundert die Strafverfolgungs-und -vollzugsgewalt als Amtslehen der Grafen von Wied (wurde bereits ausgeführt). Im 14. Jahrhundert entstand sodann das ebenfalls weiter oben beschriebene Amt des Kirchspielsschultheißen, dem die niedere Gerichtsbarkeit und die grundherrliche Verwaltung oblag. Im Laufe des 16. Jahrhunderts zerfielen die Hochgerichtsbezirke; ihre Funktionen gingen an die in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ausgebildeten gräflichen Ämter Altwied und Dierdorf über, während die untere Gerichtsbarkeit der Kirchspiele erhalten blieb. Bis heute lebt sie gewissermaßen in der freiwilligen Justiz der örtlichen Schiedsgerichte fort.

1346

Salentin IV. v. Isenburg verkauft seine Rechte und Gülden zu Freirachdorf und Mündersbach dem Erzbischof von Trier.

Noch vor 1346 wurde die Hohe Feste zu Rückeroth von den Grafen zu Wied im Sprengel ihrer Hohen Feste Urbach errichtet. Sie war mit sieben Schöffen besetzt und umfasste im 16. Jahrhundert auch das Gericht Freirachdorf. Infolge der Verlagerung des Schwerpunktes der wiedischen Verwaltung nach Dierdorf verlor sie um 1580 an Bedeutung, lebte aber um 1629 wieder auf, bis das Amt Selters im 17. Jahrhundert ihre Aufgaben übernahm.

Die mittelalterlichen unteren Gerichte waren recht zahlreich vertreten. Ihren Ursprung hatten sie in den mit eigenen Rechten aus-gestatteten fremden Grundherrschaften, die sich aus dem obrig-keitlichen Verband heraushoben. Geistliche Grundherren vor allem waren um die Errichtung solcher Gerichte bemüht. Diese waren als Dorf-, Orts-oder (wie bereits angeklungen) als Kirchspielsgerichte für einen größeren oder kleineren Bezirk zuständig. Ihnen stand die Ausübung der Gerichtsbarkeit in vollem Umfang zu, insbesondere auch die Blutgerichtsbarkeit. Naturgemäß entfaltete die Tatsache einer solchen Gerichtsbarkeit großen Einfluß auf die Machtverhältnisse dieser Landschaft und besonders auf die Festigung der Landeshoheit.

1376

Die in dieser Schrift abgelichtete Originalurkunde in mittel-hochdeutscher Sprache und der seinerzeitigen Handschrift zeugt von der Regelung über die Lehen (Belehnungen) der Herren und Grafen von Isenburg-Grenzau (Salentin), Teile am Zehnten (Zehenden) zu Sessenhausen (Saßenhaußen) und Teile am Zehnten (Zehenden) zu Freirechdorf (Freyen Rachdorff). Im gleichen Jahr wurde eine "Landestheilung zwischen Selentin Herrn zu Isenburg und Gerlach Grafen zu Wied. de an. 1376" einvernehmlich geregelt, auch betreffend den "Zehenden zu Freyen Rachdorff mit syne Zugehör". Der Einfluß des Grafen von Wied geht darauf zurück, dass unser Gebiet unter die Gewalt des Erzbischofs von Trier kam, der es dem Grafen von Wied zu Lehen gab.

1400

Seit 1392 wurde die Vogtei Marienrachdorf zur Hälfte von Wied-Isenburg beansprucht, das 1400 dafür Freirechdorf erhielt.

1420

Wilhelm Herr zu Riebenstein (Reichenstein, wurde im Kirchspiel Puderbach auf einem Berg erbaut, den gut 200 Jahre vorher bereits Rorich besaß) bekundet, dass Anna von Salms, Gräfin zu Sayne (von Sayn), die 20 Gulden Mannlehen (Manngeld) von der Grafschaft Sayn aus dem Zoll Engere mit 200 Gulden abgelöst hat und trägt dafür seinen eigenen Hof zu Vry Rechtorf (Freirachdorf) zu Mannlehen auf. "D.: 1420 ipso die beatorum Petri et Pauli apostolorum"(29.Juni).(Ausf. Perg. S. am Pressel (aus 121 Urk. Reichenstein. )

Im gleichen Jahr wird Freirechdorf auch Vry Rechtorf genannt.

1444 Dez. 27.

Erwähnung einer Urkunde mit den damaligen Ortsbezeichnungen -: Joh. der Hoedemecher, Bürger zu Cowelentze, u. Fr. Agnes verpfänden ihr Gut zu Saysenhusen (jährl. Ertrag 28 Weißpf. ), das sie von Styne Spolen zu Dyrdorf gegen ihre Güter zu Dyrdorf, Brückenragdorf u. Fryenragdorf eingetauscht haben, an die gleiche Styne Spole für 28 obld. Gulden. -Off sond. ays de leste Seyner Cyrmesse gelegen was. -Siegler: Phil. Kirchherr zu Martrachdorf (Marienrachdorf).

um 1450

Die in dieser Schrift gezeigte Abbildung zeigt eine Original-Erhebungslisteder Herbsthede (Bede = niederdeutsch für Abgabe) von Leuten u. a. zu Freirechdorf (damals: "Fryenrachtorff).

 

 

1471 ff.

(Angaben aus den Annalen zur Verwaltung) Freirachdorf war 1471 zwar bereits Kirchspiel, besaß 1479 jedoch keine Pfarrei. Ferner ist die Rede vom Kirchenrecht Freirachdorf (1552), von einem Kirchengericht zu Hausen (1560), einem Gericht auf der Hauserbach (1586) sowie vom Hauser Gericht (1588).

 Freirachdorf gehört seit 1471 zu Wied; in diesem Zusammenhang werden auch die Jahreszahlen 1505, 1536 und 1595 genannt, worauf noch einzugehen sein wird.

 In 1475 ist in dem Mannlehnbuch der Grafschaft Sayn-Isenburg ur-kundlich Salenteinns Teil am Zehnten zu "freihen Rachdorff" erwähnt. Desgleichen hat Wilhelm Herr zu Reichstein von Girhartz zu Seinne (Sayn) den Hof zu "freihen Rachdorff" empfangen.

 1479

-Urkunde vom 17. Juli: Der Official der Curia zu Coblenz überträgt den Pfarrern zu Dirdorf, Noirthoffen, Meyscheit, Rechtorf, Rosbach, Rupach (Raubach), Ruckenreit die Untersuchung wegen der von Schultheißen und Schöffen zu Marienrechtorf, Fryenrechtorf, Mergenhusen (Marienhausen) und einer Reihe mit Namen aufgeführter Personen erhobenen Klage über ihre Exkommunikation.

In diesem 15. Jahrhundert zerfällt übrigens das Deutsche Reich in immer mehr unabhängige Territorien (bis zu rund 400 an der Zahl), von denen u. a. die Erzbistümer Mainz, Köln und Trier die bedeutendsten sind.

Im Spätmittelalter wurde Freirachdorf an eine bedeutende Fernverkehrsstraße angebunden, nämlich an die "alte Rheinstraße", die bereits im Hochmittelalter existierte und nunmehr in Anbetracht der Amtsverbindungen einen neuen Verlauf vom Neuwieder Becken über Dierdorf, Marienhausen, Freirachdorf, Mündersbach, Höchstenbach, Altstadt nach Hachenburg nahm. Bis zum Jahre 1675 befand sich in Marienhausen eine Zollstation.

um 1500

Sayn behauptete sich gegen Graf Johann von Wied im Besitz der Walpodengefälle in den Kirchspielen Almersbach, Höchstenbach und Schöneberg sowie im Besitz des Hofes Freirachdorf. (Quelle: Nassauische Annalen XXXVIII 137.)

Freirachdorf gehört zum Amt Selters.

 

 

Freirachdorf in der Neuzeit

Hier sei zunächst auf eine Reihe von Auseinandersetzungen um Grundrechte in der zeitlichen Reihenfolge verwiesen.

1505

In einer Urkunde ist dokumentiert: "Lytz Hen von Gershoven (Giershofen) u. Fr. Els, Molers (Müllers) Heinr. von Deyrdorf (Dierdorf) u. Fr. Els, Joh. s. Schwager u. Heinr. von Wenen verkaufen Joh. v. Freygenrachdorf näher benannte Landstücke zu Freygenrachdorf für 32 Cöln.G. (Kölnische Gulden).-Siegler: Graf Johann zu Wied.

1515-Juni 28.

Henrich v. Elgerod u. Fr. Gertge verkaufen an Joh. v. Frienrachtorf u. Elsgen ihre Wiese zu Elgerodt (Elgert). Siegler für Schulth. u. Schöffen des Hammersteinsehen Gerichts zu Hausen: Gerl. H. zu Isenburg.

1521 -Juli 9.

Henr. v. Elgerod u. Fr. Gertge verkaufen an Elsge, Johans Wwe. (v. Freienrachdorf cf.1515), eine Wiese entgegen dem Oberborn uff dem Reine.

1528 -Juni 30.

 Johann Mant von Limbach bekundet, dass Wilhelm Herr von Reichenstein einen Hof zu Freirachdorf von Graf Gerhard dem Alten von Sayn zu Lehen gehabt habe, dass Wilhelms Sohn Heinrich zum Lehnsempfang beschrieben, dann von Graf Gerhard gefangen und in Haft gehalten, den Hof nicht erhalten, den die Grafen von Sayn selbst 15 oder 16 Jahre bis 1500 genützt.

 um 1532

Es ist die Rede von Figes Johannen von Frienrachtorff als Schultheiß zu Martrachtorff, Lehenschultheiß zu Mundersbach.

1536

Aus den Verzeichnissen der Grenzakten: Das "Steinchen" bei Freirachdorf auf saynischem Territorium. Hierüber gab es Grenzstreitigkeiten (Irrungen) zwischen Sayn und Wied.

1537

Schöffenweistum zu Oberhersbach betr. den Bezirk. -Anwesend: Arn. v. der Fels, Amtmann des Gr. Henr. v. Isenburg-Grensau, Jac. v. Freyrachdorf, Kelner (wohl soviel wie Rentmeister). (Extrakt aus dem Salbuch der Kellerei Montabaur von 1680).

Als Keller (später zugleich Amtsverwalter) wird Jakob von Freirachdorf genannt (1537; von 1548 bis 1557 Schultheiß). In der Folgezeit gab es dann noch einen Henrich von Freirachdorf als Schultheiß, und zwar jeweils als Schultheiß zu Großmaischeid ("schultisz zu Meischeid). Man sprach von den isenburgischen Schultheißen.

1538

Hermanrn Erzbischof zu Köln, als Vormund des Grafen Johann zu Wied, und Graf Johann zu Sayn vergleichen sich wegen des Hofes zu Freirachdorf (u. a. aus Urk. Wied, 121).

1548

Der Graf von Isenburg-Grenzau als Herr des Herschbacher Gebietes ließ von Zeit zu Zeit zu Oberherschbach an der uralten Gerichtsstätte Hofgericht halten. Bei diesen Sitzungen war auch ein Notar anwesend, der die Vorgänge genauestens niederschrieb. Der Inhalt eines solchen Protokolls lautet auszugsweise so:

 montags, den 14. Januar um 1 Uhr nachmittags ungefähr, alles nach Trierischen Erz-Bischoftums Gewohnheit zu schreiben, zu Zeiten und Regierung des Allerdurchlauchtigsten Großmächtigsten und Unüberwindlichsten Fürsten und Herrn, Herrn Caroli, dieses Namens des fünften Römischen-Teutschen Kaisers, Ihrer Kaiserlichen Majestät Reiche, des Römischen im 29., und der anderen Reiche im 34. Jahr, erschienen vor dem Notar Johannes Kurzrock von Hessen-Homburg, von Kaiserlicher Gewalt öffentlicher Schreiber und Bürger zu Koblenz, und vor den Zeugen, nämlich den ehrsamen Peter Heinz von Selters und Johann von Freirachdorf an der gewohnten Gerichtsstatt zu Herschbach drei verschiedene Parteien. 1) Der ehrenfeste Junker Joh. Klauer als Amtsmann zu Isenburg, die ehrsamen Jakob von Freirechdorf als Rentmeister, (Quelle: Das Herschbacher Landweistum, 1548.)

 Im Originaltext einer Urkunde aus dem gleichen Jahr wird wiederum Jacob von Freyen Rachtorff Kelner zu Isenburgh" erwähnt.

1549

Heinrich der Ältere, Herr zu Isenburg etc., tauscht mit Johann, Grafen von Sayn, hörige (wohl leibeigene) Frauen zu Freirachdorf. 1549 August 1.

1552 ff.

Im Zuge der territorialen Veränderungen im vorangegangenen Jahrhundert und der daraufhin zu Beginn des 16. Jahrhunderts erfolgten Umschichtungen gewannen auch die Gerichte zunehmend an Bedeutung. Das für Freirachdorf in der Folgezeit (ab 1552) zuständige Gericht (Veste Rückenrode/Rückerother Hochgericht, seit etwa 1500, nach anderer Meinung -Gensicke -wohl bereits 1344, unter den Linden) wird bei einer der in jener Zeit stattfindenden Tagungen nunmehr vom gräflichen Amtmann, Juncker Wilhelm von Waldmannshausen der Jüngere, eröffnet. Anwesend ist auch der neu hinzugekommene Schultheis zu Freyen Rachdorf und zu Hausen. Nach den einschlägigen Schilderungen hatte das Gericht eine Grenzbeschreibung vorzunehmen. Die Grenzstreitigkeiten bestanden allem Anschein nach zwischen benachbarten Grundherrschaften, die durch den Gerichtsspruch beigelegt werden sollten. Ebenso werden die Gerechtigkeiten  (Fischerei, Jagden, Fassnachtshühner u. a. ) neu festgelegt.

Freirachdorf erhält (mit inzwischen eigener Kapelle) 1552 Kirchenrecht; es wird Filiale von Marienrachdorf, 1553. (So Kleinfeldt-Weirich, ferner Westerwald-Buch, Bd. 1).

 Zum Kirchspiel gehören schließlich die Orte Elgert (mit Wiedischhausen), Hausen (Trierischhausen), Maroth und später Hilgert. Daraus läßt sich auch die bis heute Oberlieferte Bezeichnung "Kirchweg" für die Straße nach Marienhausen/Maroth erklären.

1553/1566

Es liegt ein (handgeschriebenes) Verzeichnis (Weistum) von Freirachdorf (im Wiedischen) u. a. über Grenzen vor, das in Herschbach (Hersbach) geführt wurde. Außerdem ist in der Inhaltsangabe ein Vergleich zwischen den isenburgischen Dörfern Maroth und Marienhausen und dem Wiedischen zu Elgert und Freirechdorf wegen "dem Weidgang und behölzigung" aufgeführt.

1556

Am 1. Juli wurde laut Protokoll ein Vergleich zwischen Graf Johann zu Wied und den Grafen Johann und Sebastian zu Sayn betreffend die Irrungen um den Bann Reichenstein, Steinenbach, den Hof Freyenrachdorf usw.

In einem weiteren Gerichtsprotokoll ist von Streitigkeiten zwischen Mündersbach und Freirachdorf um Viehhut, Eckernweide und Holznutzung saynischer Untertanen im Wiedischen Gebiet die Rede.

 

1557

Zum Lehengericht zu Oberherschbach gehörten 1557 44 Lehnleute, trierische, saynische, wiedische und isenburgische Leute, die zu Herschbach, Schenkelberg, auf dem Hubenhof, zu Selters, Goddert, Steinebach, Rückeroth, Heimbach, Marienrachdorf, Rodenbach und Freirachdorf wohnten.

Aus dem Jahre 1557 existiert eine Kirchenrechnung, in der die "Zenden zu Marerode, Mergenhuissen, Freienrachdorff" genannt sind.

 

 

1560-1569

Aus jener Zeit sind einige andere, vom Verhandlungsgegenstand her recht interessante Protokolle des Reichskammergerichts überliefert, aus deren Inhalt im folgenden beispielhaft zitiert wird. Rechtsstreit der Grafen von Wied und der Gemeinde Freirachdorf gegen die Grafen von Sayn und die Gemeinde Mündersbach:

mandati et citationis von freyen Rechdorf gepfant schwein belangend" Anspruch auf Restitution von 30 Schweinen, die den Einwohnern der wiedischen Gemeinde Freirachdorf in dem bei Freirachdorf liegenden, nach Einlassung des Klägers unter wiedischer Oberhoheit stehenden Wald "steinchen" während der Mastung gepfändet und nach Hoenberg geführt worden waren, weil nach Einlassung der Beklagten der Wald, der von saynischer Seite "Wildhecke" genannt wird, unter saynischer Oberhoheit steht und der beklagte Graf zur Schonung des Jungwaldes, nachdem er zuvor, als der Jungwald noch ödland war, der Gemeinde Freirachdorf Weiderechte eingeräumt hatte, ein Mastungsverbot verhängt hatte, welches die Freirachdorfer, obwohl der Beklagte schon früher Pfändungen vorgenommen hatte, wegen der guten Eckernernte nicht beachtet hatten.

Rechtsstreit der Graien von Wied gegen die Graien von Sayn und die Gemeinde Mündersbach:

 "…mandati den von freyen Rachsdorff gefangnen hirten belangend" Anspruch auf Entlassung des Freirachdorfer Hirten aus der Haft, in die er genommen worden war, weil er nach Einlassung des Klägers in dem im Eigentum der wiedischen Gemeinde Freirachdorf stehenden jungen Wald "Steinchen" die Freirachdorfer Schweineherde zur Mastung eingetrieben hatte, da nach Einlassung des Beklagten der Wald unter saynischer Oberhoheit steht, und, nachdem der Beklagte zuvor der Gemeinde Freirachdorf Weide-und Mastungsrerchte eingeräumt hatte, zur Mastung an einen Dritten verpachtet worden war und die Gefahr bestand, dass die Herde des Mastungspächters von der erkrankten Freirachdorfer Schweineherde infiziert werden könnte.

Vom 16. November 1565 datiert ein Schreiben des Herrn Grafen Salentin zu Isenburg an Herrn Graien Johann zu Wied, in dem Salentin von "meines eigen Angehörigen und Schultessen Fheyges Johann von Freyenrachdorff" spricht.

Anno 1565 findet man Freirachdorf in den Schreibweisen Freyenrachdorf und Frigenrachdorf. So weiß u. a. der "Nassauer Bote" (1908) zu berichten, dass der Ort noch bis zum Jahre 1565 der Isenburg-Grenzauischen Linie angehörte, sei aber bald darauf an die Wiedische Linie übergegangen, bei welcher es verblieb. Es hatte seine eigene Gerichtsbarkeit.

Weiter wird ausgeführt, dass Freirachdorf in der Zeit von 1550 bis 1560 protestantisch werden musste (s. aber die anderslautende Version hinsichtlich des Jahres 1589).

1572

 Aus dem Weistum des Hofgerichts zu Grenshausen (damalige Schreibweise) geht die Anwesenheit des Johann von Frienrachtorf hervor, als über die Hoheitsrechte der Grafen von Isenburg Recht gesprochen wird.

1575

Als Lehnschultheiß zu Maroth wird Feiges Johann von Freirachdorf genannt, ferner ist die Rede von den Schöffen ("scheffen") Ditrichs Thonius und Holen Theis, beide von Frienrachtorf.

1583

Nach dem vorliegenden Protokoll vom "Landtgericht (gehalt) zu Hachenburg" wurde ein Rechtsstreit verhandelt zwischen Mant Schneider zu Steinebach einerseits und Clauß Bodenheimer zu Mündersbach und Quirin zu Rechdorf andererseits, der das Erbe der Familie Feigen zu Freirachdorf in Mündersbach zum Gegenstand hatte.

1584

Graf Hermann zu Sayn streitet gegen die Grafen Hermann und Wilhelm zu Wied-Runkel in Isenburg und Dierdorf wegen Haus Koberstein, Hof zu Freirachdorf, Lehen der (inzwischen) ausgestorbenen von Reichenstein.

1586

Freirachdorf hat ab 1586 zwei Geschworene.

1590

Graf Heinrich IV. zu Sayn forderte Wilhelm IV. von Wied vor ein Mannengericht. Wilhelm appellierte dagegen an das Reichskammergericht. In diesem langwierigen Prozess kamen verschiedene saynische Eingriffe in wiedische Gerechtsame zur Sprache, auch bezüglich des "Hofs zu Freyrachdorf". Das Reichskammergericht fällte jedoch kein Urteil. (Aus dem Neuwieder Archiv.)

1591

Die einzelnen Kirchspiele wurden von Vogtleuten beherrscht; so auch in jenem Jahr im Kirchspiel Freirachdorf. Die Vogtleute waren jedoch Leibeigene von Wied resp. von Isenburg.

 

1595

Es ist das Jahr der gräflich-wiedischen Erb-und Grundteilung. Von dieser territorialen Veränderung wurde auch Freirachdorf berührt.

Der Tod Graf Hermanns und seiner Mutter Katharina im Jahre 1592 brachte an Stelle der vorläufigen Erbteilung (vormals 1582) nunmehr am 31. August 1595 eine endgültige Erbteilung zustande, die einen Teil der alten Bestandteile der Grafschaft Wied zerschlug und im wesentlichen zwei neue Territorien, die Niedere Grafschaft (um 1700 Wied-Neuwied) und die Obergrafschaft (um 1700 Wied-Runkell schuf. Graf Hermanns Bruder, Graf Wilhelm, wurden zugeteilt: Schloss, Flecken (= größeres Dorf) und Kirchspiel Dierdorf, die Kirchspiele Urbach, Raubach und Puderbach mit dem verfallenen Schloß Reichenstein, die Kirchspiele Wambach, Oberdreis (damals Oberdrieß) und das Gericht auf der Hauserbach (= Freiachdorf / "Freienrachdorff") u. a.

Das Gericht Freirachdorf kam zum Amt Dierdorf. Nach der Bestätigung durch Kaiser Rudolf II. (Habsburger) vom 9. November 1597 übergab Graf Wilhelm am 24. Mai 1598 die drei Kirchspiele Rückeroth, Nordhafen mit dem Bann Maxsain und Anhausen dem Grafen Georg von Nassau-Katzenelnbogen. Graf Wilhelm von Wied-Runkel erwarb während seiner Regierungszeit zahlreiche Höfe und Güter, die jedoch nach seinen Testamenten von 1604 und 1612 an seine Töchter fielen. Er starb am 8. September 1612. Seine Witwe Johanna Sibylla von Hanau-Lichtenberg nahm 1614 Huldigung in ihrem Wittum Dierdorf ein. Die "Wiedische Stammesvereinigung" vom 20. Mai 1613 bestätigte den 1595 geschaffenen Zustand. Graf Hermann (Sohn des 1592 verstorbenen Grafen Hermann und Neffe von Graf Wilhelm) erhielt die Obergrafschaft, das Amt Dierdorf und die Herrschaft Runkel.

Für eine Summe von 100 000 Gulden wurden dem jüngsten Bruder Hermanns, Graf Philipp Ludwig, die Schupbacher Zent und, falls diese nicht reichen sollten, die Kirchspiele Oberdreis und Freirachdorf verpfändet.

1598

Aus der beschriebenen Erbteilung von 1595 und dem daraufhin im Jahre 1598 erfolgten Übergang der hohen Feste Rückeroth an die Niedergrafschaft Wied (Wied-Neuwied) ist das Amt Selters erwachsen. Das Kirchspiel Freirachdorf geht an Wied-Runkel. Man sprach damals vom saynischen Mündersbach, vom saynischen Roßbach, vom wiedischen Freirachdorf und vom niederisenburgi-schen (ab 1564 jedoch trierischen) Herschbach.

In späteren Jahren, so ist zu lesen, hätten die Bewohner des Kirchspiels Freirachdorf, zum Amte Dierdorf gehörig, erklärt, "ihrem Landesherrn bis in den todt getreu und holt zu verbleiben" (Archiv zu Neuwied).

1600 ff.

Die wiedische Erbteilung 1595 (Teilung der vorherigen -bis 1340 zusammengefügten bzw. vereinigten -Grafschaft Isenburg-Wied-Runkel), die 1613 ein für allemal bestätigt wurde, prägte im 17. Jahrhundert auch das öffentliche Leben in Freirachdorf, das jetzt zur Oberen Grafschaft gehörte. Jene Obergrafschaft hatte ihre Residenz in Dierdorf und umfasste demgemäß Schloss, Stadt und Gericht Dierdorf (so die Annalen), die Gerichte Urbach, Raubach, Puderbach, Wambach, Oberdreis, Hauser-bach/Freirachdorf u. a., außerdem Schloss und Herrschaft Runkel mit Zubehör.

An dieser Stelle sei kurz auf die weitere Entwicklung der beiden Grafschaften eingegangen: Die Linie Wied-Runkel wurde 1791 in den Reichsfürstenstand erhoben, was bereits für die Linie Wied-Neuwied 1784 erfolgt war. Am 28. April 1824 starb der letzte Regent aus dem Hause Wied-Runkel, Fürst Friedrich, der in der Fürstengruft zu Runkel beigesetzt wurde. Ihr Land ging damit an die Linie Wied-Neuwied über, d. h., die beiden, inzwischen gefürsteten, Grafschaften wurden als Fürstlich-Wiedische Standesherrschaft unter preußischer Hoheit wieder in einer Hand vereinigt.

Jedoch zurück zum Anfang des 17. Jh.: Die um 1600 bestandenen territorialen Verhältnisse prägten wohl auch die Mundart (so etwa eine Beschreibung Blegers, in: Dialekt-geographie).

Man unterschied die Gebiete Wied (mit dem Kirchspiel Freirachdorf), Niederisenburg (dazu zählten z. B. die Kirchspiele Marienrachdorf, Herschbach, Hartenfels), Sayn (u. a. mit den Kirchspielen Roßbach, Höchstenbach, Bann Maxsain und Selters), Sayn-Wittgenstein, Trier, Köln, Abtei Sayn.

Von Bedeutung ist ferner, dass nach der Reformation Wied und Sayn zum Protestantismus übertreten. 1589 nimmt Wied die reformierte Lehre an (Freirachdorf aber wohl schon früher, laut "Nass. Bote", Jg. 1908", Sayn bleibt lutherisch. Seit jenem Jahre gehörten Hilgert und Elgert (mit Wiedischhausen) dem wiedischen Kirchspiel Freirachdorf an, nachdem sie vormals kirchlich Roßbach zugeteilt waren.

In der Zeit 1600 -1604 ist wieder einmal ein Rechtsstreit der Grafen von Sayn gegen die Grafen von Wied am Reichskammergericht anhängig wegen Übergriffen bei Freirachdorf. In etwa zur gleichen Zeit wird am Reichskammergericht ein Rechtsstreit verhandelt wegen eines Anspruchs auf Entlassung der Schultheißen der zum wiedischen Amt Dierdorf gehörigen Gemeinden Freirachdorf und Oberdreis, nämlich Grein Peitzersch und Ludwig Heintzen.

Von 1604 -1609 fungierte als Landschultheiß zu Meudt ein gewisser Peter von Freyenrachtorff.

1613 fand eine Zusammenkunft zu Dierdorf nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr im Pfarrhof statt. Als "Vertreter der Unterthanen• nahm auch der Schultheiß Grein Pritz zu Freirechdorf teil.

1614

Hermann Graf zu Wied-Runkel verkauft dem Hermann Vultejus, Dr. jur., Vizekanzler der Universität Marburg, und seiner Ehefrau Ellichen eine Rente von 120 Rtlr. aus dem Arschieter Hof zu Puderbach und neben anderen den Zehnten zu Freirachdorf (im Amt Dierdorf).

1615

Graf Hermann zu Wied verpfändet seinem Bruder Graf Philipp Ludwig für die auf ihn entfallende Abfindungsquote von 50 000 Gulden den zur Herrschaft Runkel gehörigen Schuppacher Zehnten samt Dörfern und, wenn das nicht reicht, die Kirchspiele Oberdreis und Freyenrachdorf im Amt Dierdorf (ist bereits weiter oben gesagt).

1617

Hermann Graf zu Wied verkauft, um seinem Bruder Philipp Ludwig die noch schuldige Quote zahlen zu können, an Joh. Georg Fiedler für 800 G. 48 G. Rente und setzt als Pfand seine Mühle zu Freyen-rachdorf und deren Jahrespacht.

1626 (Während des Dreißigjährigen Krieges)

Einen "Urfehdebrief" unterschreiben als Bürgen: Ehren Johann Möller, Kirchendiener zu Freyrachdorf und ("sein Schwäger und gutter Freund") Peter Michel sowie Märtin Becker und Johan Sohns zu Dierdorf.

 1651 (Zeit der Hexenverfolgung)

In den "Hexenprotokollen" werden folgende Orte als "Hexentanzplätze" genannt: Die Eisenkaul (Höhe bei Raubach), Wienauerbach, Wienauer Hölzchen, Raumholz bei Raubach, Neelplatz (in der Nähe von Offhausen), die "frei Heide" bei Freirachdorf und andere.

 Ausweislich jener "Hexenprotokolle" wurden allein aus dem Amte Dierdorf nicht weniger als 90 Personen (darunter 4 Männer, von denen einer fast hundert Jahre alt war) der Zauberei beschuldigt und zum größten Teil hingerichtet.

Einigen gelang es, zu flüchten, während eine Frau aus Puderbach, um den schrecklichen Qualen des Flammentodes zu entgehen, sich im Gefängnis erdrosselte.

Unter den so verfolgten Hexen befanden sich auch 2 Personen aus Freirachdorf, ferner 23 aus Dierdorf, 3 aus Giersofen sowie 3 aus Brückrachdorf und 7 aus Wienau.

Unterdessen hatte das infolge des Dreißigjährigen Krieges verwüstete und um ein Drittel seiner Bevölkerung verminderte Deutschland in dieser Zeit und auch in den nächsten Jahrzehnten besonders zu leiden.

1661

 Vermutlich aus jenem Jahr stammt eine "acta betr. den Reichensteinischen Hof zu Frey Rachdorf".

1669

 Eine heute noch vorhandene Inschrift auf einem Grabstein, der sich unterhalb der Freirachdorfer Kirche inmitten der dortigen Mauer, entlang der vorbeiführenden Straße nach Roßbach, befindet (rechts vom Treppenaufgang gelegen), gibt Zeugnis des in jenem Jahre verstorbenen Schultheißen Johan Humrich. ("1669 DEN JUNU STRARB DER EHRSAME JOHAN HUMRICH SCHULTEYS ZU FREYENRACH TORF")

1681

Der Graf zu Wied verpachtete an fünf Schultheißen im Amt Dierdorf, so auch an Hans Adam Köster in Freirachdorf, seine sämtlichen Einkünfte aus dem Orte Dierdorf. Andererseits behielt eich der Graf die Ausübung der Jagd auf Hochwild für seine Person vor, während er das Abschießen der Hasen und Füchse den Pächtern zugestand (aus Königl. Staatsarchiv zu Coblenz: Akten der Grafschaft Wied). 1685

Johannes Fröhlich (von Herborn) kam als Pfarrer nach Freirachdorf (damals 51 Jahre alt). Zuvor war er 21 Jahre in Nordhafen als Pfarrer tätig. Aus jener Zeit ist bekannt, dass in unserem Heimatgebiet, allen voran im Ort Selters, eine pestartige Krankheit herrschte, wobei es den Pastoren auf Ersuchen der umliegenden Dörfer untersagt war, in Selters Kranke zu besuchen und Tote zu beerdigen.

1696

Es kam um diese Zeit zu verschiedenen Grenzstreitigkeiten (auch als "Grenzirrungen" bezeichnet) zwischen den Gemeinden Freirachdorf und Mündersbach in der sog. Mark, Wildenheck, Guckelbusch und darauf erfolgte Pfändungen

1701

Es werden Justizakten, insbesondere Gerichts-und Lieferbuch, von verschiedenen "beschehenen" Käufen im Kirchspiel Freyrachdorf angeführt.

1735

Nach Aufzeichnungen eines Dierdorfer Pfarrers und Schulinspektors mit dem Namen Weidenbach wütete in jenem Jahr in Freirachdorf ein Großbrand, wobei das gesamte Dorf (das heutige Kirchdorf) mit seinen 26 Häusern sowie das Pfarr-und Schulgebäude niederbrannten.

1738

In Wetzlar wurde ein Prozess beendet und entschieden, dass die Freirachdorfer (Leute von "Fryrachdorff") bezüglich der seinerzeitigen Befreiung von Fronden "im Irrtum und gar keine Freirachdorfer seien, sondern Leibeigene, weil die Herrschaft, wenn es ihr gefiele, die Dienstgelder auch in natura zu fordern jederzeit berechtigt sei. Die "Mayscheider" bestritten, dass das Beispiel Freirachdorfs auf den ganzen Westerwald und also auch auf sie passe" (Auszug aus einem Artikel im "Nassauer Bote", Jg. 1926).

1752

Im Hause Wied-Runkel wurde die älteste Tochter des Grafen Johann Ludwig Adolph, Sophia Henriette Amalia, mit dem Grafen Leopold Ferdinand von Schwerin am 29. Mai vermählt. Der älteste Sohn aus der ersten Ehe, Karl Ludwig, Hauptmann in Oranien-Nassauischen Diensten, starb am 21. August. Das Erbe der Oberen Grafschaft fiel nun an den zweiten Sohn, Christian Ludwig. Der Regierende Vater, Johann Ludwig Adolph, richtete mit Kurtrier über die streitige Grenze zwischen der Herrschaft Dierdorf und dem Trierschen Gebiet von Isenburg bei "Freyrachdorf" und Brückrachdorf an der Holzbach, einen Vergleich auf.

In der Zeit bis 1756 kam es wiederum zu "Grenzirrungen" mit dem wiedischen Amt Dierdorf zwischen Mündersbach und Freirachdorf bei dem Mühlenbusch.

1763

Für die Obergrafschaft wurde eine Presbyterialordnung (Presbyterialia) aktenkundig, die u. a. für die Kirchspiele Dierdorf, Urbach, Raubach, Oberdreis und Freirachdorf Bindung entfaltete. (Hinweis: Presbyter stammt aus dem Griechischen und bedeutet Ältester = Vorsteher der urchristlichen Gemeinde; in der ev. Kirche: Mitglied des Gemeindekirchenrats. ) Man sprach später auch von der Wiedschen Kirchenordnung (Ev. Ge-meindeblatt f. Rheinl. u. Westf. 1885, S. 206 f. ).

1765

Es wird später von einer im März 1765 stattgefundenen Wolfsjagd in unserem Heimatgebiet, der damaligen Grafschaft Wied, berichtet. Beim Oberjäger Braun zu Dierdorf lief der Rapport ein, dass sich im Prangenberg (Walddistrikt zwischen Elgert, Woldert und Roßbach) drei Wölfe spüren ließen, die in der Nacht vom 3. zum 4. März zwei Stück Wild zerrissen und aufgefressen hätten. Daraufhin wurde auf den 5. März ein allgemines Landjagen von Obrigkeits wegen angesetzt, zu dem sämtliche "Eingesessene" der Kirchspiele Dierdorf, Raubach und Freirachdorf als Treiber zu erscheinen hatten. über den Erfolg der Jagd melden die Akte indes nichts.

1771

Eine Parrchronik aus jenem Jahr berichtet, dass ein gewisses Gebäude "samt Hofraid, Bitzen und Garten" dem Grafen Wilhelm zu Wied gehörte und zwischenzeitlich abgebrannt sei. Es wird vermutet, bei dem Gebäude könnte es sich um eine ehemalige Burg handeln, die im Freirachdorfer Gelände mit dem (späteren) Flurnamen "Burggarten• (Flurname wurde 1852 durch die Bezeichnung "Unterm Eichelchen" ersetzt) gestanden haben soll. Bei der Begradigung des Holzbaches fand man verkohltes Holzwerk und Fundamentmauern vor und zog daraus den Schluß, die Grundmauerreste zeugten von der ehemaligen Burg. Eigenartigerweise ist jedoch in den Annalen, wie wir bisher gesehen haben, nicht die Rede von einer Burg, sondern stets nur von einem Hof zu Freirachdorf.

1772

Die Stadt Dierdorf streitet gegen die Landkirchspiele des Oberamts Dierdorf, Urbach, Raubach, Puderbach, Niederwambach, Oberdreis, Freirachdorf wegen Einquartierungslasten und Restitution und wegen versäumter Frist der Aktenabforderung.

1774

Der Isenburg-Wied gehörige Anteil aus dem kurtrierischen Lehen (u. a. Rechte in Meudt) der bereits 1664 ausgestorbenen Linie Isenburg-Grenzau kam 1774 durch Tausch an Kurtrier. Wied erhielt dafür den Zehnten zu Freirachdorf und musste jährlich zu Martini noch 2 Malter Korn zur Kellerei Herschbach liefern. Hierüber existiert eine Abschrift ("Copia") der urkundlichen Vereinbarung vom 4. September 1774 zwischen Christian Ludwig, Regierender Graf zu Wied, Isenburg und Runkel, und Clemens Wenceslaus, "Ertzbischof zu Trier". Der Trierer Erzbischof und Kurfürst Clemens Wenceslaus weihte übrigens ein Jahr später, nämlich 1775, die Pfarrkirche St. Anna in Herschbach.

Freireachdorf erscheint erstmals in einem Mühlenverzeichnis.

1789 -das Jahr der Französischen Revolution -

Ende der Neuzeit Die Obere Grafschaft, Wied-Runkel, umfaBt -nach wie vor -die Kirchspiele Niederwambach, Oberdreis, Puderbach, Raubach, Freirachdorf (mit Elgert und Hilgert), Dierdorf, Urbach; Herrschaft Runkel (an der Lahn).

 

 

Freirachdorf in der neuesten Zeit

Die Französische Revolution von 1789 (bis zur Verkündung der Republik 1792) war mit ihren Ideen, nämlich Menschenrechte und Nationalstaat, entscheidend für die geschichtliche Entwicklung des kommenden 19. Jahrhunderts.

1795

In einem Verzeichnis von Henkhoff (in: Nass. Biographie) wird der ev. Geistliche Johann Jakob Meß erwähnt. Er wurde am 25. Juli 1761 in Freirachdorf geboren, besuchte das Seminar zu Herborn und war von 1795 bis 1807 Pfarrer in Freirachdorf. Am 16. September 1847 verstarb er 86jährig in Neuwied. Er war von 1835 bis 1844 Superintendent. Von ihm stammen das neue Gesangbuch für Wied-Runkel von 1806 und das "Gesangbuch für protestant. Gemeinden im Hztm Naesau" (1806, 1813).

1800 Die Grafschaft Wied-Runkel zählte im Jahre 1800 eine Bevölkerung von rund 12 800 "Köpfen". Freirachdorf wird dabei in einer heimatgeschichtlichen Dokumentation nur zur Hälfte seines Kirchspiels berücksichtigt, was aber fraglich erscheint.

1803 -1806

Gensicke schreibt im Heimatbuch des Reg. Bez. Montabaur, dass neben drei nassauischen Linien, die 1804 vorsorglich auch die reichsritterschaftliehen Gebiete in ihrem Bereich in Besitz nahmen, nur noch Wied-Neuwied, Wied-Runkel in Freirachdorf, Leiningen-Westerburg, Holzappel und Hessen-Kassel in unserem späteren Kreisgebiet übrigbleiben (so auch Heimatchronik des WW-Kreises).

Die Ereignisse jener Zeit brachten bald eine noch weitergehende Beseitigung der bestehenden Formen und das Ende der kleineren Territorien. Die Fürsten von Nassau-Usingen und Nassau-Weilburg lösten sich aus der Reichspolitik und schlossen sich enger an Frankreich und Napoleon an. Sie traten mit insgesamt 14 Reichsfürsten dem Rheinbund (1806 unter Napoleons I. Protektorat zur Stützung seiner imperialen Pläne gegründet; umfasste, von Süddeutschland ausgehend, allmählich alle deutschen Staaten außer Preußen, Braunschweig, Kurhessen u. Österreich; wurde 1813 auf-gelöst) bei und erhielten durch die Rheinbundakte vom 12. Juli 1806 für Nassau-Usingen den Herzogstitel, die Landeshoheit über das oranische Fürstentum Diez, die wiedischen Fürstentümer, die Grafschaft Holzappel und alle reichsritterschaftliehen Besitzungen in ihrem Gebiet.

Ein großer Teil unserer Heimat stand nunmehr unter der Herrschaft des bedeutendsten der einheimischen Fürstenhäuser, unter dem Hause Nassau. Es sollte nun diesem Haus vergönnt sein, die bis dahin bestandene Vielzahl von territorialen Splittergebieten zu einem Land zu vereinigen, dem "Nassauer Land", und zwar an der Lahn, im Westerwald und im Taunus. Dem Herzogtum wurden somit die reichsständischen Gebiete der Fürsten von Wied-Runkel mit Freirachdorf, das Fürstentum Wied mit dem Amt Grenzhausen-Selters sowie andere Territorien einverleibt. Aufgrund der Rheinbundakte durfte also das neue Herzogtum Nassau als weiteren Landzuwachs die wiedischen Lande annektieren, deren Fürsten dem deutschen Reich treu geblieben waren und deshalb enteignet wurden.

 

1808

Für das Kirchspiel Freirachdorf (gehörte noch zum Amtsbezirk Dierdorf) wird zum 1. Januar jenen Jahres die Aufhebung zahlreicher Abgaben wirksam. Von den Abgaben allgemeiner Art waren davon beispielsweise betroffen: das Wächtergeld, die Extrasteuern, die Servicesteuern, die Beiträge zu allgemeinen Amtskosten, der Leibschatz, die Abgabe von Maikälbern, die Rauch-und Fastnachtshüh-ner, das viertägige Frohndgeld und das bis dahin erhobene besondere Auszugsgeld; die Aufhebung besonderer Abgaben zielte vor allem (für das Kirchspiel Freirachdorf gesondert aufgeführt) auf das Dienstgeld, das Beisassen-und Eidammengeld, das Rheinfahrtgeld, das Rauch-und Banngeld ab.

1811

In den Akten wird das Gesuch des Johann Georg Schweitzer in Freirachdorf um Erlass von 2 Gulden Strafe wegen Verletzung des Mühlenbanns erwähnt.

1813 (Beginn der Befreiungskriege)

In der Urkundensammlung ist das Gesuch des Christian Öttgens in Freienrachdorf um Erlaubnis zur Anlage einer Branntweinbrennerei aufgeführt.

1815 (Ende der Befreiungs-bzw. Freiheitskriege)

Freirachdorf wächst dem Amt Selters aus dem Amt Dierdorf zu. An der Verwaltung des Amtes Selters, das 1808 von Grenzhausen nach Selters zurückverlegt worden war, blieben jedoch bis 1848 die Fürsten von Wied-Neuwied (ehemalige Untere Grafschaft) als Standesherren beteiligt. Das Herzogtum Nassau war inzwischen mächtig aufgebläht worden und erstreckte sich von Ehrenbreitstein bis Oberursel.

Das Gebiet des späteren Unterwesterwaldkreises gehörte damals zu dem nassauischen Regierungsbezirk Ehrenbreitstein. Im Zusammenhang mit dem Wiener Kongress (1814-15, ordnete europäisches Staatensystem nach den Napoleonischen Kriegen) wurde die Ausdehnung des Herzogtums allerdings zurückgeschraubt. Am 31. Mai 1815 schloss Preußen mit Nassau einen Vertrag über den Austausch bestimmter Gebiete.

Zwar waren die Gebietsteile des mediatisierten Hauses Wied-Runkel in Ansehung des Rheinbundes mit dem zum Herzogtum erhobenen Nassau vereinigt; gleichwohl fielen -bis auf Freirachdorf und den auf der linken Seite der Lahn gelegenen Teil der Herrschaft Runkel -alle ehemals Wied-Runkelschen Besitzungen im Jahre 1815 an Preußen. Was dabei -wie Freirachdorf -neu bzw. endgültig an Nassau kam oder, wie das sonstige Gebiet im unteren Teil des Westerwaldes, bei Nassau blieb, bildete schließlich bis 1866 das Herzogtum Nassau.

 Auch auf das Freirachdorfer Kirchspiel blieb die neue territoriale Zugehörigkeit Freirachdorfs zu Nassau nicht ohne Folgen. Da Hilgert und Elgert (mit Wiedischhausen) dagegen preußisch wurden, kam Hilgert zum Kirchspiel Oberdreis, Elgert zum Kirchspiel Raubach.

1816

Ein "gehorsamster Bericht" wird am 25. November in bezug auf ein Siegel von Seiten der Gemeinde erstattet.

1817

Im Hinblick auf das nächste, runde halbe Jahrhundert war die folgende Vereinbarung auch für Freirachdorf von Bedeutung:

Nachdem sich die Fürsten zu Wied am 8. Juni 1815 freiwillig unter den Schutz Preußens gestellt hatten, waren bestimmte Gebietsteile -einschließlich Freirechdorf - im Herzogtum Nassau verlieben. Am 23. März 1817 kam mit Wied-Runkel und am 30. März 1817 mit Wied-Neuwied eine inhaltsgleiche Vereinbarung über die standesherrlichen Verhältnisse der Fürsten zu Wied wegen der im Herzogtum Nassau gelegenen Teile der fürstlichen Besitzungen zustande. Die Jurisdiktion (Rechtsprechung) und die Polizei wurden von den Ämtern weiterhin unter dem Prädikat "Herzoglich-Nassauisches und Fürstlich-Wiedisches Amt" wahrgenommen. Die Ernennung der Beamten und des Amtspersonals erfolgte ohne Mitwirkung der Fürsten.

Allerdings waren die Beamten wiederum auf die Fürsten verpflichtet worden. übereinstimmend verzichteten beide Fürsten auf jede Beteiligung an der Verwaltung der Ämter. Die Schultheiß-enernennung erfolgte auch weiterhin unter Heranziehung der Wiedischen Rezeptur. Die Besetzung der freiwerdenden Pfarr-und Lehrerstellen konnten die Fürsten im gleichen Umfange vornehmen, wie es ihnen schon während der Rheinbundzeit gestattet worden war. Der Verlust der Gerichtssporteln (= amtl. Gebühren), Strafen und sonstigen Einkünfte wurde bei der Berechnung der Entschädigungsrente mitberücksichtigt. Diejenigen Abgaben und Gefälle (Aufkommen von Zöllen, Abgaben etc. ), die gemäß Art. 14 der Bundesakte und des bayerischen Ediktes vom 19. März 1807 durch landesherrliche Gesetze noch nicht aufgehoben worden waren, wurden zur Einziehung den Rentkammern zurückgegeben. Für die übrigen durch die Steueredikte weggefallenen Abgaben erhielt der Fürst vom 1. Januar 1816 an eine jährliche Rente, für die als Pfand die herzoglichen Einnahmen aus diesen betreffenden Gebieten dienten. Da Nassau sowohl für den Ausfall im Jahre 1815 Ersatz leistete als auch eine neue Schuldenteilung ganz den Wünschen der Fürsten entsprach, ergingen gegen die getroffenen Organisationsbestimmungen keine Beschwerden mehr. Da außerdem der Fürst zu Wied-Neuwied auf dem Wiener Kongress geäußert hatte, niemals ein Landstand des Herzogtums Nassau zu werden, war er in dem Edikt über die Bildung der Herrenbank vom 3. und 4. November 1815 nicht mehr unter deren Mitgliedern aufgeführt worden. Erst am 29. Oktober 1831 wurde er wieder, als Fürst zu Wied, in dessen Händen beide fürstlichen Linien nunmehr verbunden waren, Mitglied der Herrenbank.

1818

Nach der ersten Statistik des neugegliederten Amtes Selters zählt Freirachdorf 213 Einwohner.

1823

Eine weitere Veröffentlichung des Amtes Selters schildert Freirachdorf kurz als Dorf an der preußischen Grenze mit 211 Einwohnern. Das Amt Selters umfasste damals 44 Gemeinden, darunter solche wie Baumbach, Grenzhausen, Ransbach.

1825 Freirachdorf kommt nach der amtlichen Statistik auf 216 Einwohner.

 

 

1827

In jenem Jahr wird Freirachdorf wieder einmal (ähnlich wie 1735) von einem Großbrand heimgesucht, wonach 18 Wohnhäuser und 19 Scheunen niederbrannten, einschließlich der Fürstlich-Wiedischen Zehntscheune. Der Brand soll bei dem Anwesen Wilhelm Kohlenberg seinen Ursprung genommen haben.

1828

Die "Herzoglich-Nassauische Landes-Regierung" richtet ein Schreiben an den "Herzoglichen Amtmann, Herrn Justizrath Kobbe in Selters", und teilt darin mit: "auf Bericht vom 8ten September 1828 die Qualification der Gemeinderechner betr. Wir haben mit Berücksichtigung Ihrer Anträge folgenden Gemeinderechnern Ihres Amtes die Hebgebühren erhöht.... 5. dem Gemeinderechner Götsch zu Freirachdorf von 3 1/2 auf 4 .. " (ist in dieser Schrift abgebildet).

1829

Maximilian Friedrich Schröder wird Pfarrer zu Freirachdorf und verwaltet die Pfarrei RoBbach mit. Er ist der Sohn des Aem. Lud. Philipp Schröder, reformierten Predigers zu Hachenburg und dessen Gattin Marie Eleonore, geb. Schellenberg, und wurde am 22. Juni 1802 in Nordhafen geboren, wo zu der Zeit sein Vater als Pfarrer stand, besuchte im Herst 1826 das Seminar zu Herborn, ward Caplan zu Oberursel, nach 10 Jahren Arbeit in Freirachdorf ging er 1839 nach Rückeroth, wurde 1953 Dekan und 1862 Pfarrer und Dekan in Schuppach.

Nach einer vorliegenden Begutachtung der Qualifikation und Besoldungen der Gemeinderechner des Amtes Selters "pro 1828" wird der darin aufgeführte Joh. Peter Dümler (wohl Nachfolger von Rechner Götschl, Freirachdorf, mit "sehr gut" beurteilt. In der Spalte "Finanzzustand der Gemeinde" heißt es: "schuldenfrei". Die Familienzahl beträgt seinerzeit 65. Nach besonderen (handschriftlichen) Aufzeichnungen weist der Gewerbestand Freirachdorfs u. a. 1 Bäcker, 1 Schneider, 1 Schuhmacher, 1 Wagner, 1 Wirt ( "Wirth") auf.

1831

Eine statistische Erhebung des Amtes Selters führt zu folgendem Ergebnis: Es bestehen 37 Häuser, 61 Familien; Einwohnerzahl: 224, davon 54 Männer, 54 "Weiber", 97 Kinder, "Gesinde" (Gesellen und Lehrjungen, Mägde): 19.

Von den insgesamt 224 Einwohnern sind 208 evangelisch und 16 katholisch.

1834

Schultheiß zu Freirachdorf ist Joh. Wilhelm Götsch; die Gemeinde zählt 62 Familien.

1835

Die Einwohnerzahl ist mittlerweile auf 229 gestiegen.

1836

Statistische Aufzeichnungen beinhalten für Freirachdorf 45 Häuser und 76 Familien. Die Summe der Einwohner beträgt 235. Davon entfallen 64 auf Männer, 62 auf "Weiber", 101 auf Kinder und 8 auf Gesinde. Hinsichtlich der Religionen zählt die Gemeinde 221 evangelische Christliche, 13 Katholiken und 1 Juden. Aus dem gleichen Jahr ist im Hinblick auf "die Erbauung einer Brücke bei Fryenrachdorf" einschlägiger Schriftwechsel, u. a. mit der Herzoglichen Landes-Regierung, vorhanden.

1841

Am 14. Januar erlegte Förster Bay aus Herschbach einen Wolf in dem in der Nähe von Freirachdorf gelegenen Herschbacher Wald. Damit hatte die sog. Wolfsplage für die unmittelbare Freirachdorfer Gegend gewissermaßen ein Ende gefunden, wenngleich noch wenige Jahre später (1845) der in Dierdorf wohnhafte fürstlich-wiedische Beamte Major Pasch den für den Westerwald letzten Wolf im Dierdorfer Wald ("an der Wolfsbuche") "zur Strecke brachte".

Außer einer Wolfsjagd ist aus dem Jahre 1841 aber noch ein anderes für Freirachdorfer Verhältnisse wichtiges Ereignis erwähnenswert. Dabei geht es um die Erneuerung der Brücke zwischen Freirachdorf und Maroth, die wohl durch starkes Hochwasser im vorangegangenen Winter zerstört wurde. Hierzu existiert die Abschrift eines Berichtes des Amtes Selters an die Herzogliche Landes-Regierung folgenden Inhalts: "An Herzogliche Landes-Regierung -gehorsamster Bericht des Herzoglichen Amtmannes Held zu Selters. Die Erbauung einer neuen Brücke zwischen Freirachdorf und Maroth betreffend. Die auf der Grenze zwischen Freirachdorf und Maroth über den Bach daselbst führende Brücke ist durch das große Gewässer im vorigen Winter demoliert worden und die sofortige Erbauung einer neuen Brücke zur Wiederherstellung der ... erforderlich. Den 22. Mai 1841.."

Ebenfalls im Jahre 1841 behandelt vorliegende Kopie eines Briefes bzw. eine Aufzeichnung wohl Bauarbeiten am Kirchhof zu Freirachdorf.

1842

Die "Tabelle über die Volkszahl in Freirachdorf" zeigt die folgende Auswertung:

Die Zahl der Häuser beträgt 48 und die der Familien 64. Die Einwohnerzahl ist mit 235 Seelen gegenüber der letzten Erhebung unverändert geblieben. Es gibt sowohl 54 Männer als auch 54 "Weiber", genauso viele Kinder wie Männer und Frauen zusammen, nämlich 108, daneben Gesinde (Knechte und Mägde) 19.

224 der Bewohner sind evangelischen Glaubens, die Anzahl der Katholiken beträgt 10, ferner ist ein Mitbewohner jüdischen Glaubens vorhanden. Die Familie Jacob Giel erreicht mit insgesamt 7 Personen (5 Kinder) die wohl größte Familie in jenem Jahr.

Die Zählliste vom 2. Dezember 1842 ist unterzeichnet mit "Götsch Schultheis".

Die Größe der Gemarkung beziffert sich mit 1499 Morgen (das sind umgerechnet 374,75 ha).

1845

 Die Gemeinde Freirachdorf zählt nach einer weiteren Veröffentlichung des Amtes Selters 242 Einwohner (im Vergleich dazu Herschbach : 1 077 ).

 

1846

Aus einer Zählliste des Herzoglichen Amtes Selters geht hervor, dass Freirachdorf nunmehr aus 67 Familien besteht und danach 250 Einwohner hat.

1847

 Ein Registerauszug der Herzoglich-Nassauischen Landes-Regierung in Wiesbaden zeugt von der amtlichen Eintragung des Gemeindebrunnens am 21. November desselben Jahres.

1849

Die Frankfurter Nationalversammlung erreichen insgesamt 559 nassauische Petitionen, unter denen sich auch eine solche aus Freirachdorf befindet (Eingang im Plenum der Reichsversammlung: 15. Februar 1849). Dazu hat die Gemeinde 29 Unterschriften gesammelt. Die Bittschriften bzw. Eingaben sind auf Grundrechte, Kirche und Schule, Handel und Gewerbe, Zollschutz, Tagespolitik und Reichsverfassung gerichtet. Vorrangige Anliegen der Bürger sind dabei Religions-und Unterrichtsfreiheit sowie Zollschutz.

1850

Vermutlich aus dieser Zeit stammt die folgende Anekdote. "wohlerfahren in allerlei Kunststückchen in Zauber-und Hexenmeistereien, hatte unser Dores eines Abends in Freirachdorf in der Wirtschaft als alleiniger Wortführer die Gäste famos unterhalten durch allerhand wissenschaftliche und andere Vorträge, bis man zuletzt auf dem Gebiete der Zauberei ankam. Man wollte nicht glauben, dass Iwig aus Messer und Gabel Wasser, sowie aus einem Kruzifixe Blut laufen lassen könne. 'Dat wär e bossäg Dinge, wenn ech dat net kennt', sprach Dores, wickelte sich die Hemdärmel auf und sagte zu dem Zunächstsitzenden: 'Mache mir emol hier auf meinen Ellbogen drei Kreuze, hibsch in einer Reihe. ' Während dies geschah, griff er sich, vorher dafür präpariert, hinten im Halskragen ein versteckt gehaltenes durchnässtes Schwämmchen, platzierte es geschickt zwischen die Finger und presste aus Messer und Gabel, ...

1852

In den Jahren 1851/52 wurde die heuige Kirche erbaut, und zwar an gleicher Statt, an der die im 16. Jahrhundert (in vorreformatorischer Zeit) errichtete Kapelle gestanden hat. Die neue Kirche wurde am 10. August 1852 geweiht. Daher wird noch heutzutage am ersten Sonntag nach dem 10. August das Kirchweihfest ("Kirmes") gefeiert. Als im Jahre 1927 die 75-Jahr-Feier begangen wurde, lebten noch drei Ortseinwohner, die 1852 in der neuen Kirchen konfirmiert wurden. Die kleinere der heute noch läutenden Glocken soll in den Jahren 1474/75 auf dem Gelände neben der Kirche von dem Hachenburger Glockengießer Tilmann gegossen worden sein und hat damit bereits in der urspünglichen Kirche ihren Zweck erfüllt; sie darf des-halb als unermüdlicher Zeuge der Freirachdorfer Kirchengeschichte angesehen werden. Freirachdorf gehörte seinerzeit der Oberförsterei Selters an. Im Kreisblatt des Kreisamtsbezirks Hachenburg vom 24. August 1852 ist der Flächengehalt der Waldungen der Gemeinde Freirachdorf veröffentlicht. Dieser beträgt 694 Morgen und 57 Ruten (das sind 173,6675 ha). Nach einer Unfallstatistik des Amtes Selters erlitt August Schmengler (ein Vorfahre der heutigen ältesten Mitbewohnerin Freirachdorfs) einen Unfall beim Holzfällen.

1853

 Das Amt Selters registriert einen Brand auf dem Anwesen Adam Schneider am 1. April.

1855

Die amtliche Auszählung einer Erhebung ergibt für Freirachdorf 247 Einwohner. Die Anzahl der Familien ist inzwischen auf 80 gestiegen. Die Nadelkautermühle ist unter der Rubrik Freirachdorf gesondert aufgeführt. Bürgermeister der Gemeinde Freirachdorf ist Peter Dümler.

 Im gleichen Jahr ereignet sich ein Unfall, von dem Johann Wilhelm Rüb betroffen ist. Es werden entsprechende Untersuchungen angestellt.

1858

Die "Bevölkerungsliste des Herzoglichen Amts Selters vom Monat December 1858" weist für Freirachdorf 78 Familien und 245 Einwohner aus, die sich wie folgt zusammensetzen: 92 Männer (einschl. Jünglinge über 14 Jahren), 88 "Weiber" (einschl. Jungfrauen über 14 Jahren) und 65 Kinder. 1861 Am 3. Dezember stellt Bürgermeister Dümler "Nachweise der Bevölkerung in der Gemeinde Freirachdorf, Herzoglichen Amts Selters", auf, wonach die Gemeinde 80 Familien und 241 Einwohner zählt. Davon entfallen auf Männer 92, auf Frauen 90 und auf Kinder 59. Nach der Gewerbetabelle des Amtes Selters für das gleiche Jahr ist bezüglich der Ortschaft Freirachdorf unter der Rubrik "Kauf-leute, welche offene Verkaufsstellen halten" 1 Geschäftsinhaber aufgeführt.

1862

Per März 1862 ist (aut Nass. Handelsbuch) die Firma Johannes Heinr. Wagner 2r., Müller, eingetragen.

1863 Die Statistik verzeichnet für Freirachdorf (Amt Selters) 1 Mühle, 1 Kaufmann, 1 "Wirth", 1 Wagner, 1 Schmied, 2 Schuhmacher, 1 Schneider und 1 Schreiner.

1864

Nach einer von Bürgermeister Dümler aufgestellten und unterzeichneten Zählliste beträgt die Einwohnerzahl 243, davon 94 Männer, 84 Frauen und 65 Kinder. Unter dem Datum 30. März 1864 ist ein Brand bei Wilhelm Altgeld registriert.

1865 Freirachdorf zählt 244 Einwohner. Pfarrer zu Freirechdorf ist August Schröder, der am 12. Februar 1832 in Rückeroth geboren wurde, ab 1856 interimistischer Vikar in Obervesel und von 1861 bis 1865 Kaplan in Runkel war. Die Pfarrei Roßbach wurde von ihm mit versehen.

1866  -das Ende der Nassauer Epoche -

Infolge des Gesetzes vom 20. September 1866 wird das Herzogtum Nassau (bis dahin selbständiges Herzogtum des Deutschen Bundes) mit der preußischen Monarchie vereinigt. Daraufhin geht die Lehensherrschaft hinsichtlich der Besitzungen auf Seine Majestät den König <Wilhelm I.) über. (1867 sucht deshalb Marie Fürstin zu Wied, in Vertretung ihres minderjährigen Sohnes, des Fürsten Wilhelm zu Wied, in ihrer Eigenschaft als dessen bestellte Vormünderin, beim Königlichen Finanz-Collegium um die Erneuerung der Belehnung mit den im Amte Selters, einschließlich des Bannes Maxsayn, gelegenen Besitzungen des Fürstlichen Hauses Wied nach. -Schreiben vom 26. Jun1. 1867. ) Während des Krieges zwischen Österreich und Preußen (1866) ist auch Freirachdorf von der Einquartierung preußischer und mit diesen verbündeten sowie nassauischen Truppen (kämpften an der Seite Österreichs) betroffen und erhält von der Königlichen Regierung die durch "Requisitionen und Einquartierungen ... entstandenen Kosten" (für Quartier und Verpflegung) ersetzt -gemäß einer gesonderten Aufstellung des Amtes Selters für dessen Gemeinden.

Nassau blieb schließlich bis 1944 Hauptbestandteil der preußischen Provinz Hessen-Nassau und des Regierungsbezirks Wiesbaden.

1867

Aus der amtlichen Korrespondenz (mit der Königlichen Regierung zu Wiesbaden) geht der Bau einer Brücke "über den durch Freirachdorf fließenden Bach" hervor. Das Amt Selters gehört (mit der Gemeinde Freirachdorf) dem Unterwesterwaldkreis an.

1875

Mittlerweile hat Freirachdorf mit Stand vom 1. Dezember 277 Einwohner. An direkten Staatssteuern waren 1875 1.069,45 RM veranlagt; dies entsprach einer Pro-Kopf-Belastung von 3,86 RM.

1884

Eine Aufstellung vom 8. November der Fürstl. Wied. Rentkammer ("Nachweisung der zur Verbesserung des Lehens im Amte Selters erfolgten Ablösungen von Realberechtigungen" = Zehntablösungen) legt das Ablösungskapital der jährlichen Zehntrente zu Freirachdorf nach Maßgabe von 1,8 Malter Korn im Jahre 1844 341,48 fl (Gulden) offen. Besondere Bedeutung hat offenbar immer noch die Kirchenkasse zu Freirachdorf; denn in einem Abgabenverzeichnis ist die Rede von einem "Ablösungskapital für einjährliche Abgabe von 4 Malter Korn".

1885 Die Einwohnerzahl der Gemeinde lautet auf 275.

1886

 "Der Königliche Landrath des Unterwesterwaldkreises" in Montabaur richtet am 15. Mai jenen Jahres eine Eingabe an die "Königliche Regierung, Abteilung des Inneren, zu Wiesbaden" die Vergrößerung des Friedhofs der Gemeinde Freirachdorf betreffend.

1890

Im Herbst jenen Jahres gründen sangesfreudige Mitbürger der Ortsgemeinde Freirachdorf eine Gesangsvereinigung zur Pflege des Volksliedes und des Chorgesangs. Der Chor wurde von dem damaligen Lehrer Nickel geleitet. Aus der Vereinschronik geht hervor, dass der Verein sich in den folgenden Jahrzehnten mal als gemischter Chor, mal als Männergesangverein (MGV) präsentierte -eine Entwicklung, die von der ständig schwankenden Mitgliederzahl beeinflusst wurde. Seit etwa 1955 tritt der Verein als Gemischter Chor auf. Er kann inzwischen auf stolze 100 Jahre Vereinsge-schichte zurückblicken. Es handelt sich mithin um den ältesten Verein Freirachdorfs.

1895

Die Statistik des Amtes Selters weist für Freirachdorf die -bis dahin höchste -Einwohnerzahl von 284 aus.

Ende des 19. Jahrhunderts

In den Westerwälder Annalen wird im Hinblick auf das äußere Erscheinungsbild Freirachdorfs Ende des vorigen Jahrhunderts davon gesprochen, dass es seinerzeit schon kein reines Gehölzgebiet mehr war. Vielmehr seien (sog.) Einhäuser entstanden, wie man sie beispielsweise in Freirachdorf feststellen könne.

1899 Ein Freirachdorfer Bürger macht einen sonderbaren Fund. Auf dem in unmittelbarer Nähe des Ortes gelegenen Kreuzberg (331 m ü.N.N.) stieß er auf einen Quarzitstein.

Dieses Ereignis sollte für die erste Hälfte des Iolgenden 20. Jahrhunderts für Freirachdorf groBe Bedeutung erlangen. Es wurde auf dem Kreuzberg intensiv geschürft, wobei ergiebige Quarzitvorkommen entdeckt wurden. Im Zuge der Ausbeutung dieses Bodenschatzes fand man sogar einen Mammutstoßzahn aus der Vorgeschichte (Altsteinzeit). Dieser Fund wird heute im Heimatmuseum in Hachenburg aufbewahrt.

Nicht nur die Bevölkerung Freirachdorfs, sondern auch die Bewohner der umliegenden Ortschaften fanden hier eine lohnende Beschäftigung, was sich schließlich auch auf die Zahl der Bewohner Freirachdorfs auswirkte. Während der Ort im Jahre 1897 noch 277 Einwohner, 1907 bereits 311 und 1912 immerhin 350 Einwohner zählte, vergrößerte sich die Einwohnerzahl bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges schließlich auf mehr als 500.

1907 Als Freirachdorf 1907 an das elektrische Stromnetz angeschlossen wurde, erhielten alle Wohngrundstückseigentümer einen kostenlosen Hausanschluss; als Zugabe wurden noch jeweils sechs Zimmerleuchten überreicht.

1908 Auf dem Freigelände mit dem Flurnamen "Bangert", gelegen zwischen Wald, dem später errichteten neuen Sportplatz und der heutigen Mittelstraße wurden seit dem Jahre 1908 mehr als 40 Wohngebäude errichtet, hatte doch der Quarzit die wirtschaftliche Lage des einzelnen Beschäftigten wesentlich verbessert.

Aufgrund der Quarzitförderung (Quarzit stellte immerhin ein wesentliches Rohmaterial für die feuerfeste Industrie dar) stieg Freirachdorf zu einer der wohlhabendsten Gemeinden im Westerwald-gebiet auf. So verteilte die Gemeindeverwaltung bereits früh Geldgeschenke an ihre Bürger anlässlich des Weihnachtsfestes.

1912 Besonders auf die Initiative von dem neu in Freirachdorf tätigen jungen Lehrer Witzel gründete man am 1. Mai einen Sportverein - den Jugend-Spiel-und Sportverein, der sich nach und nach hauptsächlich der Mannschaftssportart Fußball widmete. Lehrer Witzel verstand es vorzüglich, die damalige Jugend für den Sport zu begeistern -und das immerhin zu einer Zeit, in der dem Sport generell noch wenig Verständnis entgegengebracht wurde. Der Verein wurde im Laufe der nächsten Jahrzehnte zum bedeutendsten Ortsverein Freirachdorfs. Es konnten zahlreiche Erfolge aufgewiesen werden. Heute ist der Sportverein, in Kurzform JSSV bezeichnet, im Vereinsregister beim Amtsgericht Montabaur eingetragen und zählt zwischenzeitlich deutlich mehr als 100 Mitglieder.

1916 -während des Ersten Weltkrieges -

Hauptlehrer an der Freirachdorfer Schule war immer noch (wohl seit 1912) Wilhelm Witzel, der von Ende 1916 an außerdem an drei Nachmittagen in der Woche Unterricht an der Rückerother Schul-stelle erteilte.

Der Winter 1916/17 war -infolge der schrecklichen Kriegsereignisse -vor allem durch eine Kohlennot geprägt, so dass bis zur Osterzeit 1917 der Unterricht auch in Freirachdorf vielfach gefährdet war.

68 Familien brachten es seinerzeit auf insgesamt 331 Seelen. Als Bürgermeistser wird in einem tabellarischen Verzeichnis Ludwig Wagner genannt.

1919 Lehrer Wilhelm Witzels Tagebuchaufzeichnungen über die "Westerwälder Schreckenstage" während der Besatzungszeit (die Alliierten Heere errichteten Anfang 1919 ein strenges Regiment im besetzten Teil des Westerwaldes) werden später (1931) in den "Nassauischen Blättern" (11. Jg.) veröffentlicht.

1922-1923

Die segensreiche Wirkung des Quarzitvorkommens in der Gemeinde Freirachdorf war eine allgemeine, also öffentliche, da sich sämtliches Gestein im Grund und Boden der Gemeinde befand, und zwar in den Erlen-und Nadelholzbeständen des Kreuzberges, beiderseits der damaligen Bezirksstraße Herschbach-Marienhausen. Von vier Unternehmen erhielt die um 1920 etwa 400 Seelen zählende Gemeinde monatlich bedeutende Geldsummen, so dass die Ortsverwaltung sich recht weite und hohe Ziele zum besten ihrer Bürger stecken konnte. So fand man bereits in jener Zeit eine musterhafte Wasserleitung mit elektrischer Hochdruckanlage , Ackerdrainagen, gut ausgebaute Ortsstraßen und Feldwege vor. Im Jahre 1922 wurde mit dem Bau einer neuen zweiklassigen Schule begonnen, die mit allen für damalige Verhältnisse modernen Einrichtungen ausgestattet wurde. Das Schulgebäude war bereits ein Jahr später fertiggestellt.

1925

Inzwischen war an der Freirachdorfer Schule neben Hauptlehrer Wilhelm Witzel auch Lehrer Otto Götsch (trat wenige Jahre vorher in den Schuldienst in Freirachdorf ein) tätig, der hier ohnedies beheimatet war. Aus jener Zeit ist bekannt, dass er von Anfang 1925 bis zum September des gleichen Jahres auch den Rückerother Hauptlehrer an der dortigen Dorfschule vertrat. Der Schule in Freirachdorf, die heute vornehmlich als Rathaus dient, blieb er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1964 erhalten. Hauptlehrer Witzel war es auch, der im Jahre 1925 mit tatkräftiger Unterstützung durch Bürgermeister Karl Heinz oberhalb der neuen Dorfschule die Anlage einer ebenfalls neuen Sportstätte (Sportplatz) durchsetzte. Die herrliche Lage in unmittelbarer Nähe zur Bewaldung des Kreuzberges verhalf dem örtlichen Sportverein mithin zu einem neuen Gesicht und konnte so zu einer zunehmenden Popularität von Verein und Dorf selbst im Westerwaldgebiet beitragen.

1926

Freirachdorf hatte 1926 440 Einwohner. Es wird im einschlägigen "Einwohner-Adressbuch" als evangelisches Kirchdorf gekennzeichnet; die katholischen Mitbürger gehörten damals schon zum Kirchspiel Herschbach. Die Freirachdorfer Pfarrei war besetzt mit Pfarrer Nixdorf. Bürgermeister der Ortsgemeinde war damals Karl Heinz, als Gemeinderechner fungierte Ludwig Götsch I. (Vater von Lehrer Otto Götsch). Dorfschullehrer waren Wilhelm Witze! (Hauptlehrer) und, wie gesagt, Otto Götsch. Das "Einwohnerbuch Westerwald" berichtet ferner, dass es damals einen Evangelischen Jugendverein gab (Vorsitzender: Pfarrer Nixdorf), ferner den Gemischten Chor (Dirigent: Wilhelm Witzel) und den Jugendspiel-und Sport-Verein (Vorsitzender: Erich Faust). Als öffentliche Fernsprechstelle wird genannt: Inh. Max Faust Ww.

1929/1931

 Auf der Festwiese "Unter den alten Eichen" gegenüber dem wenige Jahre zuvor neu errichteten Sportplatz am Kreuzberg entstand eine Freilichtbühne, auf der erstmals Leben und Wirken des "Schinderhannes" (Beiname des Räuberhauptmanns Joh. Bückler im Hunsrück, um 1800) aufgeführt wurde (das Bühnenstück schrieb Pfarrer W. Reuter, Deesen, ).

Initiator dieses Freilichtspiels war der seinerzeitige Pfarrer Manker. Mehr als 100 Ortseinwohner wurden als Laienspieler benötigt. Freirachdorf wurde durch die in den Sommermonaten regelmäßig Sonntags gebotene Vorstellung bis weit über die Grenzen des Westerwaldes hinaus bekannt. So war es kein Wunder, dass das Publikum von nah und fern zur Festwiese strömte, die nahezu 2 000 Menschen Platz bot. Zwei Jahre später wurde das Bühnenstück "Balzar von Flammersfeld" aufgeführt (ebenso auf die Initiative des Dorfpfarrers hin), das gleichermaßen erfolgreich dargeboten wurde wie zuvor der "Schinderhannes". Sicher ist es kein Zufall, wenn der damalige Veranstaltungsort der Laienspiele von den heutigen Freirachdorfern "Schinderhannes-platz" genannt wird.

1938

In einem Polizeibericht findet man die "Benutzung eines Privatwagens für polizeiliche Maßnahmen in Freirachdorf" vermerkt.

1939 -1945 -Der Zweite Weltkrieg -

Der furchtbare Krieg brachte auch über die Freirachdorfer Bevölkerung unsägliches Leid.

Viele junge - und auch ältere -Männer sind gefallen oder gelten noch bis heute als vermisst. Der Ort selbst wurde nicht erheblich durch Luftangriffe o. ä. zerstört. Erst im März 1945, als US-amerikanische Truppen in das Dorf einfallen, brennen u. a. Scheunen nieder.

Im Zuge der Löscharbeiten, für welche die betroffenen Bürger zusammen mit hilfreichen Nachbarn selbst zu sorgen hatten, wurde der vor dem Kriege amtierende Bürgermeister Heinz durch eine Kugel aus dem Gewehr eines amerikanischen Soldaten getötet.

1946 ff.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Quarzitvorkommen im Gemeindegelände nahezu erschöpft. Viele der vormals in den Brüchen Beschäftigten wechseln daher zur Keramikindustrie im Kannenbäckerland, in späteren Jahren auch zu in der näheren Umgebung Freirachdorfs gelegenen Unternehmen. Gleichwohl war die Landwirtschaft ein wichtiger Erwerbszweig für die örtliche Bevölkerung geblieben - auch während der Blütezeit des Quarzitabbaus. Selbst in der Nachkriegszeit waren noch etwa 60 landwirtschaftliche Betriebe, mehr oder minder Kleinbetriebe, in Ackerbau und Tierzucht lebendig. Infolge der zunehmenden Industrialisierung und der damit einhergehenden gebesserten Verdienstmöglichkeiten schwand jedoch nach und nach die Vielzahl der Betriebe. Heute wird die gesamte Nutzfläche von wenigen größeren Betrieben bewirtschaftet.

Bürgermeister Freirachdorfs war seit November 1946 Karl Beyer, der während der Besatzungszeit frei gewählt wurde. Nach ihm ist heute eine Straße im sog. Neubaugebiet (Gemarkung "Im Paradies") benannt.

1956

Ein veröffentlichtes Verzeichnis nennt Freirachdorf mit 535 Einwohnern, 160 Haushaltungen und 115 Häusern. Als Brandmeister der örtlichen (Pflicht-) Feuerwehr fungiert Emil Franz. Die Kirchengemeinde untersteht Pfarrer Wolfgang Pfeifer. Schulleiter ist nach wie vor Lehrer Otto Götsch. In der Vereinsrubrik erscheinen: Gemischter Chor (Vorsitzender: Hans Vetter), Sportverein -JSSV -(Vorsitzender: Walter Noack) und Theaterverein (Vorsitzender: Richard Litz).

Besondere Erwähnung verdient der letztgenannte Verein, der sich in den fünfziger Jahren durch zahlreiche Laienspiele auf der Bühne im Gasthof Faust beim Freirachdorfer Publikum großer Beliebtheit erfreute. Im "Heimatadressbuc" wird der Ort Freirachdorf als "ein anmutig im Tale des Holzbaches gelegenes Dorf" beschrieben.

1957

Der Initiative Pfarrer Pfeifers ist es zu verdanken, dass die ev. Kirchengemeinde in Freirachdorf einen Kindergarten errichten ließ, der am 8. Dezember eingeweiht wurde. Leiterin des Kindergartens wurde Frau Erna Runkel.

1959

Durch die mittlerweile erfolgte Stillegung der Quarzitbrüche entstanden in der Freirachdorfer Gemarkung einige idyllische Fischteiche. Dies bewog mehrere Angelsportfreunde zur Gründung eines Angelsportvereins, der sich seitdem der Hege und Pflege des Fischbestandes annimmt und damit vielen einheimischen und fremdem Anglern Gelegenheit bietet, ihrem Sport nachzugehen. Der Verein, der im Vereinsregister beim Amtsgericht Montabaur eingetragen ist, sorgt außerdem für die Reinhaltung der Gewässer und ihrer bewaldeten Umgebung. Vorsitzender des Vereins war damals Heinrich Litz (heute (1990): Raimund Schneider). Das Dorf war mittlerweile ein Anziehungspunkt für viele Erholungsuchende geworden, war es doch -wie noch heute -völlig industriefrei; es zeichnete sich durch eine immer reine und gesunde Luft aus. Folgerichtig entwickelte sich in der Zeit nach 1955 drei gutgehende Pensionen, die zahlreiche Sommerfrischler aufnahmen.

1966

Der im dritten Jahr bestehende Kur-und Verkehrsverein "Zum Holzbachtal" (Vorsitzender: Albert Schmidt) rief eine Volkstanzgruppe ins Leben. Dies nahm der Verein zum Anlass, ein Volks-und Trachtenfest zu veranstalten, dessen Höhepunkt ein Trachten-und historischer Festzug mit etwa 30 Fuß-und Wagengruppen am Sonntag, dem 28. August 1966 bildete. Zwei Jahre später feierte man das erste internationale Trachtenfest, dem an den Pfingsttagen des Jahres 1970 ein weiteres internationales Trachtenfest mit Trachtengruppen aus aller Welt (vier Kontinente waren vertreten) folgte.

1968

Nachfolger des im November gleichen Jahres verstorbenen Bürgermeisters Karl Beyer, der 22 Jahre lang der Gemeinde vorstand, wird Alfred Runkel.

1969

In Freirachdorf gründet sich eine Freiwillige Feuerwehr, welche die bis dahin notwendige Pflichtfeuerwehr ablöst. Die Gemeinde nimmt am Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" auf regionaler Ebene teil und belegt in der Klasse C den ersten Platz.

1973

Eine in Rheinland-Pfalz seit 1970 in Angriff genommene Verwaltungsreform ließ Verbandsgemeinden entstehen, die zwar den zugehörigen Gemeinden ihre Selbständigkeit sowie deren Selbstverwaltungsrecht bewahrte, gleichwohl aber kraft gesetzlichen Auftrages die Selbstverwaltungsaufgaben der Ortsgemeinden miterfüllen, darüber hinaus aber auch Aufgaben anstelle der Ortsgemeinden wahrnehmen. Vielfach werden aber Aufgaben erfüllt, welche bis dahin überhaupt noch nicht wahrgenommen werden konnten, da keine ausreichend großen Träger vorhanden waren, so z. B. für zentrale Sportanlagen oder Sozialstationen. Die Verbandsgemeinden haben daher von Gesetzes wegen an eigenen Aufgaben beispielsweise noch zu erfüllen: Zuständigkeit für die Hauptschulen, den Brandschutz und die Allgemeine Hilfe, für die Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung u. v. m. Die Verbandsgemeinde hat auch die reinen "Verwaltungsgeschäfte" der einzelnen Ortsgemeinden zu erfüllen. Freirachdorf zählt seit 1973 zur Verbandsgemeinde Selters, die insgesamt 21 Ortsgemeinden umfasst. Da die Verwaltung der gemeindlichen Abgaben sowie die Kassen-und Rechnungsgeschäfte auf die Verbandsgemeinde übergingen, entfiel das Ehrenamt des Gemeinderechners. Dessen Aufgaben erfüllte in Freirachdorf seit 1953 Edmund Schumann.

1974

Die Gemeinde errichtet auf die Initiative mehrerer Bürger hin eine Friedhofshalle.

1984

Ortsbürgermeister Runkel geht in den Ruhestand. Als sein Nachfolger wird Horst Licht gewählt.

1986

Am 5. April konstituiert sich der Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Freirachdorf. Der Verein ist im Vereinsregister beim Amtsgericht Montabaur eingetragen und zählt heute ca. 80 Mitglieder (Vorsitzender: Hermann Reitmaier). Das zwischenzeitlich fertiggestellte neue Feuerwehr-Gerätehaus, das am Ortseingang aus Richtung Herschbach steht, wird am 31. Mai 1986 eingeweiht.

1987

Anlässlich des 75jährigen Jubiläums des Jugend-Spiel-und Sport-vereins e. V. (damaliger Vorsitzender: Oberstudienrat Paul H. Bracher) wird der zwischenzeitlich sanierte und mit einer neuen Rasendecke überzogene Sportplatz in feierlichem Rahmen wieder für den Sportbetrieb freigegeben. Die relativ hohen Aufwendungen haben im wesentlichen die Gemeinde als Eigentümer sowie Westerwaldkreis und Verbandsgemeinde getragen. Vorsitzender des Sportvereins ist heute Heinz-Peter Schwinn.

1990

In den Wintermonaten verwüsten mehrere Orkane, die über das ganze Land zogen, große Teile des gemeindeeigenen Waldbestandes und verursachen damit erhebliche Folgekosten, mit denen die Gemeinde noch über Jahre hinweg belastet sein wird. Die als Naturdenkmal geltende Stieleiche (im Freirachdorfer Volksmund auch "Tausendjährige Eiche" genannt) in Flur 31 (Wildhecke) ist vom Absterben bedroht. Im Frühjahr beginnen die von allen Bürgern herbeigesehnten und vom Rat der Ortsgemeinde beschlossenen Baumaßnahmen zur Erneuerung der Ortsdurchfahrt (unter Beteiligung des Westerwaldkreises) aus Richtung Mündersbach und Roßbach in Richtung Marien-hausen/Maroth. Auch ist die Dorferneuerung hinsichtlich des zentral gelegenen Dorfplatzes und einiger Nebenstraßen beschlossene Sache, wozu bereits öffentliche Zuschüsse größeren Umfangs bewilligt sind.

Im Monat Mai wird Dekan August Philippus, der 1966 als Pfarrer (vom Pfarrsitz in Roßbach aus) die Pfarrei Freirachdorf als Nachfolger von Pfarrer Merten übernahm, in den Ruhestand versetzt. seitdem ist die Pfarrstelle Freirachdorf vakant. Am letzten Juni-Wochenende feiert der Gemischte Chor (heutiger Vorsitzender: Rudolf Schneider, Dirigentin: Irene Beyer) sein 100jähriges Jubiläum. Die Gemeinde (mit ihren etwa 580 Einwohnern) richtet sich auf die Jubiläumsfeierlichkeiten anlässlich ihres 800jährigen Bestehens ein.

 

Die vorstehende Chronik wurde der Festschrift zur 800 Jahr-Feier im Sommer 1990 entnommen.

 

Die Ereignisse der letzten 25 Jahre werden derzeit zusammengefasst und demnächst hier als Ergänzung veröffentlicht.

Für Beiträge in Schrift und Bild (auch in gedruckter oder handschriftlicher Form) sind wir sehr dankbar und können über unseren Orstbürgermeister oder die Gemeinderatsmitlieder weitergeleitet werden.